Wertschätzung als Grundhaltung für Lehrkräfte und Schulbegleitung
Über Wertschätzung von Lehrkräften sagt Reinhard Lapornik-Jürgens vom Galilei-Gymnasium in Hamm falgendes:
„Wertschätzung von Lehrkräften heißt, dass ich die Schülerinnen und Schüler als Person akzeptiere, d.h. zunächst einmal annehme, so, wie sie sind und dass ich das auch zu verstehen gebe. Das mag bisweilen schwierig sein. Es beginnt bei der äußeren Erscheinung einer Person, umfasst ihre Art zu sprechen, sich zu bewegen usw..“
Lapornik-Jürgens
Dem ist eigemtlich nicht viel hinzuzufügen. Wir wollen trotzdem einige Aspekte betrachten, um sie etwas zu vertiefen – und auch in der Praxis anwendbar zu machen.
Akzeptanz
Aus der Akzeptanz folgt, dass die Schüler mir nicht gleichgültig sind, dass ich echtes Interesse zeige an ihren Gedanken, Fragen, Zweifeln, an ihren Neigungen und Entwicklungen.
Dies ist verbunden mit Toleranz. Wenn ich jemanden wertschätze, toleriere ich auch sein Anderssein. Das heißt für uns z.B., dass wir die verschiedenen, bisweilen bunt schillernden Subkulturen, die uns begegnen, nicht gleich mit abfälligen Bemerkungen belegen, uns nicht von einer scheinbar aufgeklärten, oft aber lediglich arroganten Warte aus darüber lustig machen.
Ein höflicher Umgangston erleichtert das Zusammenleben. Manchmal übersehen wir, dass lockere oder flapsige Sprüche für Schüler verletzend sein können, oder dass jüngere Schüler mit Ironie nicht umgehen können. Wichtig ist auch unserer Bereitschaft, den Positionen der Schüler im Diskurs zu begegnen und sie nicht gleich mit Hilfe unserer Macht als Lehrer niederzumachen. Eine Schülerin oder ein Schüler, die einmal klassenöffentlich von mir „heruntergeputzt“ wurde, wird sich zurückziehen. „Bei dem gilt ja sowieso nur seine Meinung, ich sag‘ nichts mehr.“
Respekt
Der Respekt vor den Personen der Schülerinnen und Schüler, der Respekt vor ihren je unterschiedlichen Meinungen, der Respekt vor ihrem Bemühen ist konstitutiv für eine gelingende pädagogische Beziehung. Das kann z.B. bedeuten, dass ich Lösungen, die fehlerhaft sind, konstruktiv im Unterricht aufgreife und für den Fortgang der Arbeit nutze. Dazu zählt auch, dass wir die Schülerinnen und Schüler mit hohem Anspruch fordern. Ein anspruchsloser Unterricht, bei dem den Schülern alles in kleinen Häppchen mundgerecht auf dem didaktischen Tablettserviert wird, ist m. E. eine Respektlosigkeit den Schülern gegenüber. Wenn ich anspruchsvoll arbeite, signalisiere ich den Schülern auch, dass ich positive und hohe Erwartungen an ihre Arbeitsbereitschaft und an ihre Kompetenzen habe.
Wenn sie sich darauf einlassen, ist es nur recht und billig, dass ich ihre Arbeit anerkenne. jeder Mensch braucht Anerkennung, und es ist furchtbar, wenn Schülerinnen und Schüler ohne Lob und Bestätigung arbeiten sollen.
Schließlich müssen Lehrerinnen und Lehrer gerecht sein. Wir alle wissen, dass die Schüler sehr sensible „Antennen“ für Ungerechtigkeiten haben. Es gehört zu unserer pädagogischen Professionalität, mit der gebotenen Distanz unserem eigenen Tun gegenüber Sympathien und Antipathien bewusst wahrzunehmen und ungerechtes Handeln zu korrigieren.
Vertrauen
Eine solche Grundhaltung widerspricht der verbreiteten Neigung, alles aufs Kleinste misstrauisch kontrollieren zu wollen. Bei der Kontrolle beziehe ich den Menschen, um den es geht, nicht unbedingt ein; wenn ich Vertrauen habe, können wir Prozesse und Produkte gemeinsam evaluieren Im schulischen Kontext kann man wiederum die verschiedenen Beziehungen unter diesem Gesichtspunkt betrachten. Schulbehörden vertrauen ihrem Personal in den Schulen, die Schulleitung den Kolleginnen und Kollegen, die Lehrer vertrauen den Schülern, die Schüler den Lehrern usw..
Wenn ich Vertrauen aufbringe, ermutige ich die Schülerinnen und Schüler, selbstständig zu arbeiten. Dies sollte durchweg unsere Grundhaltung sein
Lapornik-Jürgens
Und, auch bezogen auf den Satz von Makarenko „Ich fordere dich, weil ich dich achte“, lässt sich das ausformuliert in etwa so darstellen: Ich traue ihnen zu, dass sie eine Aufgabe lösen können oder dass sie mit einfachen Konflikten alleine fertig werden, dass sie für sich schon die richtigen Wege finden, dass sie mit anderen sinnvoll und effektiv kooperieren. Damit stärke ich sie in ihrer Selbstständigkeit. Weil ich ihnen etwas zutraue, fällt es mir auch leichter, sie loszulassen und sie nicht mit permanenten Hilfsangeboten in eine Konsumhaltung zu treiben. Unter solchen Voraussetzungen kann ich die Schüler auch fordern; unsere Beziehung wird belastbar.
Wenn eine vertrauensvolle Basis unsere Beziehung bestimmt, können wir in aller Offenheit miteinander umgehen. Die Schüler wissen dann, dass es mir nicht darauf ankommt, ihre Schwächen und Defizite zu bestimmen und sie womöglich auch noch vor anderen bloßzustellen und zu brüskieren, sondern dass ich von ihren Ressourcen ausgehe und ihnen auf dieser Basis bei einer Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen helfen will. Ich bin solidarisch mit ihnen und stehe auf ihrer Seite, ich unterstütze sie bei der Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben.
Das fordert von mir u.U. viel Geduld. Ich weiß aber, dass Lernen Zeit braucht, dass der Groschen nicht bei allen zum gleichen Zeitpunkt fällt. Dabei kann meine Geduld auch sehr strapaziert werden, und das brauche ich keinem zu sagen, der in unserem Beruf tätig ist. Dennoch müssen die Schülerinnen und Schüler dann wissen, dass auf mich Verlass ist. Auch dann wenn sie mir etwas anvertrauen, müssen sie absolut sicher sein, dass ich diskret damit umgehe.
2. Lehrer bieten ihren Schülern ein gutes Vorbild:
– Sie sind kompetent in den Sachen, die sie unterrichten, sie wissen wirklich Bescheid.
– Sie lernen gerne, sie unterrichten gerne, sie arbeiten gerne, sie können Pause machen und Schönes genießen.
– Sie behandeln andere auch in Konfliktsituationen und bei unterschiedlichen Auffassungen respektvoll.
– Sie hören zu und fragen, um zu verstehen, statt vorschnell zu urteilen.
3. Sie ermutigen, indem sie mit den Stärken und Kompetenzen ihrer Schüler arbeiten statt mit ihren „Fehlern“.
4. Sie begleiten ihre Schüler, statt sie zu „bemuttern“, zu verwöhnen. Sie fordern sie, statt ihnen Anstrengung abzunehmen.
5. Weil sie ihre Schüler sehr gut kennen, sind sie wirklich in Kontakt mit ihren Schülern, haben sie eine Beziehung, einen „Draht“ auch zu schwierigen Schülern.
6. Sie vermitteln ein sehr hohes Maß an Klarheit und „Berechenbarkeit“. Sie sind jederzeit bereit, ohne zu „wackeln“, klare Grenzen zu setzen und vor allem deren Einhaltung zu gewährleisten.
Thomas Unruh & Susanne Petersen, Seite 57
Quellen
- Lapornik-Jürgens, Ansprache anlässlich der Amtseinführung als Schulleiter des Galilei-Gymnasiums in Hamm am 1. Februar 2010, in „rhino didactis“, Ausgabe 33, 1. Juli 2010, http://www.rhinodidactics.de/Artikel/ReinhardLapornik_Antrittsrede_SL-2010-06-26.html
- Thomas Unruh & Susanne Petersen, Drei Grundelemente für guten Unterrich, Staatliches Studienseminar Hamburg, https://www.verband-sonderpaedagogik-nrw.de/fileadmin/uploads_user_LV_NRW/pdf_Handreichungen/Guter_Unterricht.pdf
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