Vorgespräche mit Arbeitgeber
Vorbereitende Gespräche zwischen der Schulbegleitung und dem Anbieter der Schulbegleitung sind von großer Bedeutung, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten gut informiert sind und der Schüler mit [[Förderbedarf]] bestmöglich unterstützt werden kann. Hier sind einige mögliche Fragen und Themen, die während solcher Gespräche behandelt werden könnten:
Hintergrundinformationen zum Schüler:
Im Vorgespräch mit dem Arbeitgeber klären wir grundlegende Informationen über das Kind, um die Begleitung sicher und bedarfsgerecht planen zu können. Diese Daten dienen als Basis, bleiben aber immer nur ein Ausgangspunkt – der tatsächliche Kontakt mit dem Kind hat Vorrang. Sie sollen nicht unsere Unvoreingenommenheit beeinträchtigen, weshalb es wichtig ist, die Informationen stets mit Blick auf Bedürfnisse und Ressourcen zu lesen – nicht als Defizite..
- Welche spezifischen Förderbedarfe hat der Schüler?
- Welche Diagnose oder Einschränkungen liegen vor?
- Gibt es aktuelle medizinische oder Therapeutische Notwendigkeiten, die berücksichtigt werden müssen?
- Gibt es Verhaltensweisen oder Auslöser, die die Schulbegleitung kennen sollte?
- Gibt es besondere Stärken oder Interessen des Schülers?
Hilfeplan und Ziele:
Im Vorgespräch mit dem Arbeitgeber werden auch der Hilfeplan, die Erwartungen und Ziele der Schulbegleitung ausführlich besprochen, denn Schulbegleiterinnen, die mit dem Kind noch nicht gearbeitet haben, sind in der Regel nicht an der Erstellung des Hilfeplans beteiligt. Im Vorgespräch erhalten sie jedoch die notwendigen Informationen, um ihre Arbeit sicher, zielgerichtet und im Rahmen der Vorgaben ausüben zu können. Ohne diese Klärung besteht die Gefahr von Missverständnissen, Überforderung oder unklaren Erwartungen, was letztlich dem Kind schadet.
- Welche Ziele sollen durch die Schulbegleitung unterstützt werden? (z.B. Soziale Integration, Lernfortschritt, Selbstständigkeit)
- Gibt es spezifische Strategien oder Techniken, die im Hilfeplan genannt sind?
- Gibt es Anpassungen im Unterricht oder in der Umgebung, die berücksichtigt werden müssen?
Kommunikation und Abstimmung:
Klare Absprachen zur Kommunikation sind essenziell, um Missverständnisse zu vermeiden und eine verlässliche Begleitung zu gewährleisten. Im Vorgespräch mit dem Arbeitgeber wird geklärt, wie der Austausch zwischen Schulbegleitung, Anbieter und Lehrkräften organisiert wird. Dies umfasst nicht nur die Häufigkeit und Form der Kommunikation, sondern auch, wie Dokumentationen einbezogen werden und wer Ansprechpartner für Rückfragen ist.
- Wie wird die Kommunikation zwischen der Schulbegleitung, dem Anbieter und den Lehrkräften organisiert?
- Wie wird die Dokumentation in die Kommunikation einbezogen? (Wie oft? Wird siebesprochenn? Fester Ansprechpartner?)
- Gibt es regelmäßige Treffen oder Austauschpläne, um den Fortschritt zu besprechen?
- Wie können Herausforderungen oder positive Entwicklungen effektiv kommuniziert werden?
- (siehe auch Abschnitt: „Technische Absprachen“)
Vorherige Erfahrungen:
Frühere Begleitungen und Erfahrungen mit dem Schüler geben wertvolle Hinweise, um Fehler zu vermeiden und bewährte Ansätze fortzuführen. Im Vorgespräch mit dem Arbeitgeber werden daher bisherige Erfahrungen abgefragt, um die aktuelle Begleitung besser planen zu können. Dies hilft, typische Stolpersteine zu umgehen und erfolgreich erprobte Strategien gezielt einzusetzen.
- Gab es bereits eine Schulbegleitung für diesen Schüler? Wenn ja, welche Erfahrungen wurden gemacht?
- Welche Ansätze haben sich in der Vergangenheit als besonders erfolgreich erwiesen?
- Gibt es Dinge, die vermieden werden sollten, basierend auf früheren Erfahrungen?
Umgang mit herausfordernden Situationen:
Herausfordernde Situationen äußern sich bei jedem Kind anders, haben aber oft eine gemeinsame Ursache: Überforderung. Während manche Kinder mit oppositionellem oder aggressivem Verhalten reagieren, zeigen andere körperliche oder emotionale Anzeichen von Unwohlsein (z. B. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Rückzug).
Umgang mit herausforderndem Verhalten
Herausforderndes Verhalten erfordert klare Strategien, die auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes abgestimmt sind. Im Vorgespräch mit dem Arbeitgeber wird geklärt, welche konkreten Ansätze bei diesem Kind bereits erfolgreich waren oder nicht funktioniert haben. Diese Informationen helfen, im Ernstfall angemessen und zielgerichtet zu handeln.
- Welche Strategien oder Techniken wurden bei diesem Kind erfolgreich angewendet, um herausforderndes Verhalten zu begleiten?
- Welche Eskalationsstufen oder [[Deeskalationsstrategien]] sind konkret im Umgang mit dem Schüler bekannt?
- Gibt es bekannte Auslöser, die herausforderndes Verhalten verstärken?
Reaktion auf Anzeichen von Unwohlsein
Unwohlsein kann sich auf vielfältige Weise äußern, z. B. durch Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Zittern. Im Vorgespräch mit dem Arbeitgeber wird besprochen, wie das Kind typischerweise Unwohlsein zeigt und wie die Schulbegleitung darauf reagieren sollte. Ziel ist es, das Kind in solchen Momenten sicher zu begleiten und Überforderung zu vermeiden.
- Wie äußert das Kind Unwohlsein (z. B. körperliche Symptome, Rückzug, Verhaltensänderungen)?
- Wie sollte die Schulbegleitung auf diese Anzeichen reagieren?
- Gibt es bekannte Auslöser für Unwohlsein, die vermieden werden sollten?
Vertraulichkeit und Datenschutz:
Vertraulichkeit ist die Grundlage für ein sicheres Begleitverhältnis. Im Vorgespräch mit dem Arbeitgeber wird geklärt, welche Informationen weitergegeben werden dürfen und wie der Schutz sensibler Daten gewährleistet wird. Besonders wichtig ist die Abgrenzung zwischen notwendiger Kommunikation und dem Schutz der Privatsphäre des Kindes.
- Welche Daten der Schulbegleitung darf den Anbieter z.B. den Eltern geben?
- Welche Informationen dürfen zwischen der Schulbegleitung und dem Anbieter ausgetauscht werden?
- Wie werden persönliche und sensible Informationen des Schülers geschützt?
- Gibt es bestehende Schweigpflichentbindungen z.B. mit Therapeuthen bzw. sollte die Schulbegleitung bei den Eltern nachfragen?
Besondere Aktivitäten oder Ereignisse:
Schulische Aktivitäten wie Exkursionen, Feste oder Projekte erfordern oft eine gesonderte Vorbereitung, besonders wenn das Kind spezielle Bedürfnisse hat. Im Vorgespräch mit dem Arbeitgeber wird geklärt, welche Ereignisse anstehen und welche Anpassungen oder Vorbereitungen notwendig sind, um die Teilhabe des Kindes sicherzustellen.
- Gibt es bevorstehende schulische Aktivitäten, Exkursionen oder Veranstaltungen, die besondere Vorbereitung erfordern?
- Welche konkreten Anpassungen sind nötig (z. B. Begleitung, Materialien, Zeitplan)?
Gibt es Risiken oder Herausforderungen, die im Vorfeld bedacht werden müssen?
Warum das wichtig ist:
- Vermeidung von Überraschungen (z. B. unvorbereitete Ausflüge)
- Sicherstellung der Teilhabe (z. B. barrierefreie Zugänge, Ruhepausen)
- Klare Absprachen zwischen Schulbegleitung, Lehrkräften und Eltern
Ressourcen und Materialien:
Für eine erfolgreiche Begleitung sind oft spezifische Materialien oder Hilfsmittel notwendig. Im Vorgespräch mit dem Arbeitgeber wird geklärt, welche Ressourcen für die Unterstützung des Schülers bereitgestellt werden müssen. Dies umfasst sowohl klassische Lernmaterialien als auch technische Hilfsmittel oder individuelle Anpassungen.
- Gibt es spezielle Materialien, die für die Unterstützung des Schülers benötigt werden?
- Gibt es technologische Hilfsmittel oder andere Ressourcen, die genutzt werden sollen?
- Wer stellt diese Materialien bereit, und wie wird deren Einsatz organisiert?
Organisatorische und rechtliche Regeln bzw. Besonderheiten
Arbeitszeiten, Aufsichtspflicht und Versicherungsschutz können je nach Begleitungssetting stark variieren. Im Vorgespräch mit dem Arbeitgeber müssen diese organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen eindeutig geklärt werden, um Haftungsrisiken zu vermeiden und eine sichere Begleitung zu gewährleisten.
- Beginn und Ende der Arbeitszeit (kann je nach Kind von Standardzeiten abweichen)
- Pausenregelung (individuelle Absprachen, z. B. bei besonderen Bedarfen des Kindes)
- Beginn und Ende der Aufsichtspflicht (z. B. bei Schulwegbegleitung oder in Pausen)
- Beginn und Ende des Versicherungsschutzes (wichtig für Haftungsfragen)
- Besondere Regeln bei Geländewechsel und externen Veranstaltungen (z. B. Verantwortlichkeiten bei Ausflügen)
Technische Absprachen
Für einen reibungslosen Ablauf müssen technische und administrative Rahmenbedingungen geklärt werden:
- Absprache zu [[Dokumentationen (Schulbegleitung)|Dokumentationen]] (Umfang, Häufigkeit, Speicherung)
- Absprache zu [[Ansprechpartner beim Anbieter der Schulbegleitung|Ansprechpartnern]] und [[Kommunikationswege beim Arbeitgeber (Schulbegleitung)|Kommunikationswegen]] (z. B. Meldeketten, Notfallkontakte)
- Klärung von konkreten Aufgaben und Verantwortlichkeiten (Wer macht was? Bis wann?)
Zusammenfassung
Diese Fragen und Themen können je nach individuellem Fall variieren, bieten aber einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Aspekte, die in den vorbereitenden Gesprächen zwischen Schulbegleitung und Anbieter geklärt werden sollten.
Weitere Informationen
Kontakt mit Eltern (siehe eigenes Dokument: [[Elterngespräche]])
Kontakt mit Fahrdienst (ggf. separate Absprachen nötig)
Kontakte mit Therapeuten etc. (Schweigepflicht und Abstimmung beachten)
Quellen:
- Interne Richtlinien und Aufgabenbeschreibungen mehrerer Träger
- § 112 SGB IX (Leistungen zur Teilhabe an Bildung)
- Bundesteilhabegesetz (BTHG)
- Koepper, J. (2021): Die Kunst der Schulbegleitung. Verlag Inklusion.
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